Geothermie Holzkirchen

In der Marktgemeinde Holzkirchen südlich von München laufen derzeit die Vorbereitungen für ein Geothermieprojekt, bei dem die Gemeindewerke Holzkirchen ein Vorhaben zur Wärmenutzung und zur Stromerzeugung realisieren wollen.

Bergrecht und Vorplanung

Bereits 2006 erstellte ERDWERK für die Marktgemeinde Holzkirchen eine Machbarkeitsstudie zur Nutzung der Tiefengeothermie im Bereich von Holzkirchen, damals noch im Bereich des Erlaubnisfeldes "Hartpenning". Im weiteren Projektverlauf gründeten die Gemeindewerke zusammen mit der Süddeutschen Geothermie-Projekte GmbH (SGG) die Geothermie Holzkirchen GmbH. Die beiden Erlaubnisfelder "Otterfing" und "Hartpenning", die im Bereich von Holzkirchen aneinander grenzten, konnten nun gemeinsam im Hinblick auf einen Standort Holzkirchen entwickelt werden. Nach dem Ausstieg der SGG aus der gemeinsamen Entwicklungsgesellschaft bekamen die Gemeindewerke Holzkirchen das Bergrecht des neuen Erlaubnisfeldes "Holzkirchen" zu Beginn des Jahres 2011 als alleiniger Inhaber zugeteilt. Ebenfalls zu Beginn des Jahres 2011 wurde dann auf den bislang vorliegenden Daten (reprocessierte 2D-Seismik, Bohrlochdaten) eine erste konkretere Erschließungsplanung für das Projekt Holzkirchen erstellt. Die Tiefe der Malmoberkante liegt im Zielbereich bei ca. 4.500 m unter GOK.

Neue 3D-Seismik und Planung

In Holzkirchen wurde im Februar - März 2011, deutschlandweit erstmalig im Auftrag einer Gemeinde, eine neue 3D-seismische Messkampagne durchgeführt. Die von Geophonen abgedeckte Messfläche betrug ca. 66 km². Das Surveydesign und die Ausschreibung erfolgten durch ERDWERK und dem geophysikalischem Fachbüro GGL. Messfirma war DMT / Essen, die geophysikalische QC während der Messung und des Processings erfolgte durch die GGL. Anhand der Seismikdaten wurde von Erdwerk ein detailliertes Reservoirmodell erstellt, auf dessen Grundlage dann die Erstellung von Bohrverlaufskonzepten und die Festlegung möglicher Standorte erfolgte.
Der Bohrplatz befindet sich unmittelbar östlich des Gewerbegebiets (Alte Au).

Umplanung

Aufgrund veränderter Rahmenbedingungen wurden in Zusammenarbeit mit der Kanzlei GGSC alternative Projektvarianten erarbeitet (Aufwältigung und Vertiefung einer ehem. Erdölbohrung, Bohrung einer "schlanken" Dublette) und deren Wirtschaftlichkeit dargestellt. Der Gemeinderat Holzkirchen entschied am 30.4.2015 mit Zweidrittelmehrheit das Projekt in kleinerer Variante (Sammelbohrplatz und 6.1/8" Bohrenddurchmesser) realisieren zu lassen. Nach Abschluss der von ERDWERK durchgeführten Detailplanung und der EU-weiten Ausschreibung, konnte im Herbst 2015 mit dem Bau des Bohrplatzes begonnen werden.

Bohrplatzbau und Bohrbeginn

Der Bohrplatzbau erfolgte im Spätherbst 2015 durch die Fa. Dobler GmbH. Aufgrund der günstigen Witterung im November/Dezember 2015 und der professionellen Arbeit der Baufirma, konnte der Bohrplatz noch vor den Weihnachtsfeiertagen fertiggestellt und vom Bergamt abgenommen werden. Bereits zwischen Weihnachten und Neujahr begannen die Aufbauarbeiten der Bohranlage, sodass bereits am 27.01.2016 die Bohrarbeiten beginnen konnten.

Bohr- und Testarbeiten

Die Bohrarbeiten der Bohrung Th1 verliefen zunächst sehr gut, wurden jedoch im März 2016 durch einen unerwarteten Gaszutritt im Rupel-Bändermergel in ca. 4.200 m jäh ausgebremst. Der daraufhin notwendige Sidetrack (Th1a) konnte bis Mitte Mai 2016 dann erfolgreich bis auf Endteufe (5.600 m MD) abgeteuft werden. Anschließend erfolgten im Juni 2016 die Pumpversuche, die den Nachweis zur Fündigkeit der Bohrung erbrachten.

Auch die Bohrarbeiten zur Th2 verliefen zunächst planmäßig, jedoch blieben während des Liner-Einbaus der 3. Sektion die Casinge im offenen Bohrloch stecken. Im Anschluss daran waren aufwändige Fang- und Fräsarbeiten notwendig, die das Projekt im Zeitplan um mehrere Monate nach hinten warf. Auch während eines Check-Trips des Sidetracks der 3. Sektion blieb das Bohrgestänge Bohrloch stecken, was zu abermaligen Abzweigmaßnahmen und zusätzlichem Zeitverzug führte.

Anfang März 2017 wurde schließlich die Endteufe im Malm mit 6.084 m MD erreicht. Damit stellt die Bohrung Holzkirchen Th2b die bislang längste und tiefste Geothermiebohrung im Molassebecken dar. Die anschließenden Kurzzeitpumpversuche ergaben eine Thermalwassertemperatur von > 150°C. Ein erster Kurzzeit-Zirkulationsstufentest wurde mit einer Förder- und Injektionsrate bis zu 50 l/s gefahren. Mitte April 2017 war die Bohranlage komplett abgebaut und abtransportiert.

Kraftwerksbau

Seit Herbst 2017 wird die Heizzentrale gebaut. Der Kraftwerksbau soll im Frühjahr 2018 starten, so dass die Inbetriebnahme Ende 2018 / Anfang 2019 erfolgen kann.

Autor: Dr. Klaus Dorsch

Auftraggeber

Geothermie Holzkirchen GmbH

(Gemeindewerke Holzkirchen)

Projektbeteiligte ERDWERK


Projektkoordination

Dr. Achim Schubert

Projektleitung /stlv.

Dr. Klaus Dorsch / Dr. Franz Böhm

Bohrtechnik

David Lentsch, Christoph Niederseer, Gudrun Hillbrand, Cristian Scanzoni

Backoffice / Hydraulik / Modellierung

Alexandros Savvatis, Andreas Böhm, Rahel Holzer, Kilan Beichel

Kostenerfassung

Daniel Lackner, Peter van Dongen, Matthias Dax

 Projektstatus

Bohrarbeiten abgeschlossen

Bau Heizzentrale, Kraftwerksbau und Ausbau Fernwärmenetz

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 


Link zu den Gemeindewerke Holzkirchen GmbH

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